Die Umgebung

NKG

Kinder sind aus sich heraus der Welt zugewandt, ihren sinnlichen Eindrücken gegenüber offen und unbefangen und in gewisser Weise auch schutzlos. Sie verfügen, im Gegensatz zu uns Erwachsenen, noch kaum über Schutzmechanismen, sich Einflüssen von Außen gegenüber zu entziehen, weshalb wir ja auch von einem besonderen Schutzbedürfnis der Kinder ausgehen. Das bedeutet aber auch im positiven Sinne, dass die Umgebung unserer Kinder eine wohltuende, entwicklungsfördernde Rolle für sie spielen kann. Neben den Beziehungen zu den Eltern, Erwachsenen und zu anderen Kindern kommt der unmittelbaren Umgebung unserer Kinder eine entscheidende Bedeutung zu, was ihre Beziehung zu sich und der Welt angeht.

“„Man kann den Menschen auch mit einer Wohnung erschlagen“”
B. Brecht

Umgekehrt aber kann man Kindern durch die Gestaltung ihrer Umgebung auch ein zu Hause, einen Raum der positiven Weltauseinandersetzung, des Weltinteresses und des positiven Selbstbezuges geben.
Ein wesentlicher Ansatz unseres Naturkindergartens ist es, eine solche positive Umgebung für die Kinder zu schaffen, bereitzustellen und zu pflegen. Um dies zu erreichen, ist er nach bestimmten Kriterien gestaltet. Hierfür stehen Begriffe wie: Aufforderungscharakter, Harmonie, Ästhetik, Natur.

Räume und Gelände des Naturkindergartens sind so gestaltet, dass sie Kindern einen großen Anreiz zum selbst Tätigwerden geben, zum Spielen, Erkunden, Bauen, Verstecken, Klettern, erforschen……… Damit wird eine Umgebung mit hohem Aufforderungscharakter zum Gestalten und Formen bereit gestellt.

In der Anordnung der verschiedenen Bereiche des Geländes, der Auswahl der Materialien und dem Zusammenspiel von funktionalen und nicht-funktionalen (und damit um-deutbaren) Materialien versucht der Naturkindergarten einen harmonischen Gesamtrahmen zu schaffen, in dem sich die Kinder bewegen, erleben und erfahren können.

Eine besondere Bedeutung kommt der Ästhetik im Naturkindergarten zu, wobei hier die von Menschen gestalteten Dinge – im Kleinen wie im Großen – gemeint sind. Es ist wohl ein Urimpuls des Menschen, seine Umgebung zu gestalten und zwar nicht nur nach funktionalen Gesichtspunkten, sondern vor allem auch nach ästhetischen. Vereinfacht gesagt, übt das Gestaltete, Ästhetische, Schöne eine wohltuende Wirkung auf uns aus. Kinder, in ihrer weltoffenen und weltzugewandten Art, nehmen diese wohltuende Wirkung in besonderer Weise auf, was ihre Entwicklung und Gesundheit fördert.

Eine Umgebung, die sich aus natürlichen Elementen wie Pflanzen, Tieren, Steinen, Erde, Wasser etc. zusammensetzt, erfüllt die Kriterien von Harmonie und Ästhetik auf ihre eigene Art. Sie beeinflusst unser gesamtes Sinnesspektrum und wirkt damit auf eine umfassende Weise harmonisierend und anregend auf uns. Dazu kommt, dass jedem Naturelement Veränderung eigen ist. Und nur was sich verändert lebt. Veränderung bedeutet also leben, wobei sich diese oft unaufdringlich und unspektakulär vollzieht und damit auch unser differenziertes Wahrnehmen herausfordert.